Германские языки | Филологический аспект №2 (22) Февраль, 2017
УДК 82-144, 821.112.2
Дата публикации 28.02.2017
Genre der Ballade in der deutschen Literatur (an dem Beispiel „Hauspostille“ von B.Brecht)
Fernöstliche Staatliche Universität für Transportwesen, Chabarovsk
Abstract: Der Artikel offenbart die Definition der Ballade, dabei wird ihre historische Entwicklung in Deutschland Ende des 18. Jahrhunderts und dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts vom trivialen Bänkelgesang bis zu klassischen Balladen von Goethe und politisch-sozialen Balladen von Brecht beschrieben. Auf der Grundlage der linqoistilistischen Interpretation einer der vielen Balladen in der „Hauspostille“ von B.Brecht wird festgestellt, dass die Ballade ein synthetisierendes Genre darstellt, das in sich harmonisch Lyrisches, Episches und Dramatisches vereinigt.
Keywords: Ballade, Bänkelballade, Moritat, Volkstümlichkeit, klassische Ballade, politisch-soziale Ballade, lyrisches Subjekt, Verfremdungseffekt
Als Ballade (von ital. balada = Tanzlied) wird ursprünglich ein in den romanischen Ländern von den Tanzenden gesungenes, kurzes und strophisches Tanzlied mit Kehrreim bezeichnet. Die ursprüngliche Form wurde von den Troubadours weiterentwickelt (Wilpert, 1989:73). Im 14.-15. Jahrhundert erhielt die Ballade in Frankreich als ein weitverbreitetes Genre eine strenge lyrische Form: meist 3 Strophen zu 8-10 Verszeilen.
In England übertrug man im 18. Jahrhundert den Liedbegriff Ballade auf volksmäßige und besonders leicht singbare Erzähllieder, die unter Benutzung der dramatisch wirkenden Dialogform ein auffallendes Ereignis, oft eine Heldentat, episch erzählten und zugleich in lyrischer Stimmung lösten. J.W. Goethe schrieb, dass drei Elemente des Lyrischen, Epischen und Dramatischen in der Ballade „wie in einem lebendigen Ur-Ei“ verflochten sind (Gysi, 1958: 307-308).
Um 1770 wurde die Ballade in Deutschland heimisch und bezeichnet hier ebenfalls ein zwischen den drei Grundgattungen stehendes Genre, das ein ungewöhnliches, handlungsreiches und meist tragisches Geschehen aus Geschichte, Sage oder Mythos unmittelbar gegenwärtig darstellt. Dabei ruft die Ballade – durch die Betonung des Erzählten, durch eine andeutende Erzählweise, durch Ausrufe und Kehrreim sowie Melodie unterstützt – eine lyrische Stimmung hervor. Die eigentliche Handlung bietet den Anlass zu einem Stimmungsbild, so ist der Übergang zur Lyrik geschaffen. Die betonte Volkstümlichkeit der Ballade, die undifferenzierte Verherrlichung heroischen und edlen Menschentums, die oft triviale Schicksalsvorstellung und die effektbewußte Geister- und Schauerromantik sind der Wertschätzung der traditionellen Ballade zeitweilig abträglich gewesen und haben sie auf den Rang einer nur noch historisch verständlichen Dichtform hinabgedrückt, die weder den ästhetischen Anforderungen, noch der differenzierten Bewusstseinslage der Gegenwart entspricht. Doch wirkten ihre Buntheit, Abenteuerhaftigkeit, Spannung und ihre Gestaltung der Naturkräfte unvermittelt auf das einfache Volk und ihr volkstümlicher Gemütsappell machte sie zum geeigneten Mittel der politisch-sozialen Beeinflussung.
Die Ballade hat im Schaffen von Goethe und Schiller ihre weitere Entwicklung gefunden. Ihre ethisch begründeten Ideenballaden sind eigentlich kleine epische Gedichte, die sich in Form und Inhalt nur schwer dem Genre unterordnen. Auch beim späten Goethe tritt das Ideenhafte stärker hervor („Die Braut von Korinth“, „Der Schatzgräber“).
Aber zuerst wäre es richtiger zu präzisieren, welche Rolle in der Entwicklung der Ballade Gottfried August Bürger spielte. Weil die klassische Ballade von Goethe und Schiller für lange Zeit die weitere Entwicklung der Balladendichtung bestimmte – und nicht immer zum Wohl dieser Gattung.
Es ist dem heutigen Leser meist nicht mehr deutlich, in welchen Regionen die deutsche Kunstballade geboren wurde und aus welchen Niederungen sie sich emporringen musste. Es ist erstaunlich, zu hören, dass Bürgers Balladendichtung ihren Ausgang vom trivialen Bänkelgesang genommen hat.
Bürger knüpfte unter anderen an die volkstümlichen Lieder der Bänkelsänger an. Gleichzeitig nahm er sich die altenglische und ältere deutsche Volksballade zum Vorbild. Aus ihnen entwickelte er den eindrucksvollen dramatisch-epischen Charakter seiner volkstümlichen Balladen. Bürger erst verschaffte der Ballade einen Platz in der Reihe der großen Dichtungsgattungen. Er gab den Ton an, und viele folgten ihm; denn er war einer der größten Meister der Balladendichtung. Kein Balladendichter nach ihm – von Goethe und Schiller bis Bertolt Brecht – konnte sich seinem Einfluss entziehen.
Auf der Suche nach einer verwandten Gattung in der deutschen Dichtung stieß Bürger auf eine Gassenhauer und Bänkelsängerlieder, wie sie auf Jahrmärkten und Messen zu hören waren, und suchte von diesen niedrig komischen Machwerken seinen Versen das Gepräge der Volkstümlichkeit zu verleihen. Die Urform der Bänkelballade oder Moritat ist die „Neue Zeitung“ des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Kolporteure derselben, „Avisensänger“ und „Zeitungssinger“ genannt, priesen auf den Jahrmärkten von einem Bänkel herab ihre meist mit einem drastischen Titelholzschnitt geschmückten Balladendrucke an. Diesen oft sehr umfangreichen Balladen lagen aktuelle Geschehnisse von weittragender Bedeutung, Naturkatastrophen, Kriege, Morde, aber ferner merkwürdige Begebenheiten, die Anlass zu moralischen Unterweisungen religiöser Art bieten konnten, zugrunde. Die Dichter waren oft Geistliche, und man verwendete vielfach Choralmelodien.
Mit dem Aufkommen der eigentlichen modernen Presse emanzipierte sich die Form, die bisher nur als Reklame für die verkaufenden Zeitungsdrucke galt. Der Bänkelsanger bediente sich zur Interpretation seiner Ballade der Leinwandtafeln und eines seinen Gesang begleitenden Musikinstrumentes“ (Kramer). Nun löste sich auch der Bänkelsang aus der religiösen Sphäre.
Solche Verbindung der Literatur mit dem Bänkelsang ist das Niveau der episch-lyrischen Dichtung jener Zeit tief herabzudrücken. Dafür dient seine Ballade „Lenore“ als ein guter Beweis. Es ist ihm gelungen, die Volksdichtung mit dem Protest gegen die Kriegspolitik der deutschen Machthaber zu verbinden und dadurch den Traditionen der Volksdichtung eine lebendige aktuelle Bedeutung zu geben. Man muss betonen, dass diese politische Aktualität in volkstümlich-satirischer Form neu und unerhört war und von den Gleichgesinnten mit Begeisterung begrüßt wurde, von H.Heine bis B.Brecht. Nämlich Brecht setzte im 20. Jahrhundert die Traditionen von Bürger in seinen politisch-sozialen Balladen (z.B. „Von der Kindesmörderin Marie Farrar“ in der „Hauspostille“). Er auch knüpfte an die Form des Bänkelliedes an und nutzte die verfremdende Wirkung des Bänkeltons. In seiner Nachfolge stehen die Balladen von W. Biermann, P. Huchel, G. Kunert, Ch. Reinig u.a.
Die asozialen Balladenhelden Brechts, die der bürgerlichen Gesellschaft den Rücken gekehrt haben, lassen sich in die bürgerliche Formentradition nicht mehr einordnen. Er versucht „jene Formen der alten Volksballade, die zur Erstarrung der Adelsballade geführt hatten, aus dieser Erstarrung zu befreien und mit neuem Volksblut zu füllen… Einerseits entstehen Moritaten und Bänkelsänge, die in überkommenen Formen Exzesse des bürgerlichen Lebens zynisch-brutal herunterleiern und eben durch den Zynismus entleerter Gemüts- und Prunkstrophen Platz schaffen für neue echte Gehalte zu den leeren Formhülsen. Andererseits rückt bereits positiv die neue körperliche Heroentat des Abenteuers in die alte Balladenstrophe ein“ (Rockenbach 1929:49).
Auf solche Weise ist nicht das individuelle Schicksal einzelner Namen bedeutungswert, sondern die Naturgewalt, die in diesen Schicksalen herrscht. Das Erlebniszentrum ist nicht im persönlichen Menschentum, sondern „der Überschwang maßloser Naturanbetung im Schicksal und in dem Taten und tödlichen Abgängen der Namenlosen“ (Rockenbach 1929:49). Mehrmals betonte Brecht, dass das Buch wirklich ein Volksbuch im tiefen Sinne des Wortes ist. Seine frischen Lieder sind auf das Volk ausgerichtet.
Der Augsburger Balladenschreiber kehrt zu den Ursprüngen zurück. Ihn faszinieren Kraft und Urwüchsigkeit der alten deutschen Volksballade. „Wir befinden uns jetzt nicht mehr auf Schlössern und Burgen unter Rittern und Adeligen, sondern im Wirtshaus, auf der Landstraße, bei den niederen Schichten… Schreiber, Handwerker und Bauer sind die Helden…“ (Kayser 1936:48). Er wollte durch den Vortrag der Volksballaden das Publikum unterhalten und erziehen. Düsteres, wunderbares und nicht einmal gar entsetzliches Geschehen wird in seinen Balladen berichtet.
Als Neuer tritt B.Brecht in seinem Werk „ Die Hauspostille“, das im Jahre 1927 herausgegeben wurde. Er will ein wirkliches Volksbuch schaffen und setzt sich zum Ziel, eine verkehrte Welt zu zeigen. Die grausame Wirklichkeit des Lebens ist in einigen Balladen aus der ersten Lektion „Bittgänge“ ganz deutlich dargestellt: ein Sohn ermordet seine Eltern („Apfelböck oder die Lilie auf dem Felde“), eine junge Mutter – ihr eigenes Kind („Von der Kindesmörderin Marie Farrar“), ein asozialer Typ verunglimpft alles, was seine Hände berühren. Dabei wird berücksichtigt, dass alle diesen Sujetlinien aus dem realen Leben genommen waren, darum sind sie in der Form der alten Ballade geschrieben und haben typische Merkmale dieses Genres. Aber in allen Balladen ist die mitfühlende Stimme des lyrischen Subjekts deutlich, die uns um Erbarmen bittet. Denn nämlich unsere verkehrte Gesellschaft hat diese Randfiguren gezeugt, darum muss sie für sie die Verantwortung übernehmen. Ja, sie sind asozial, aber in einer asozialen Welt.
Die moderne Ballade orientiert sich an den neuen Formen der Trivialliteratur und ersetzt das einmalige heroisch-mythische Ereignis durch betont allgemeinmenschliche, unheroische Alltagsstoffe, die menschliche Grundbefindlichkeiten aufzeigen. In ihrer Groteskform wird sie mit volkstümlicher Unverfrorenheit konfrontiert und mit sozialem Engagement schockiert und attackiert.
Die Ballade stellt ein synthetisierendes Genre dar. Sie vereinigt in sich harmonisch Lyrisches, Episches und Dramatisches. Der Ballade liegt im Allgemeinen eine Geschichte zugrunde. Die Geschichte wird aus der subjektiven Sicht des Autors erzählt, dabei nimmt der Dichter eine stark lyrisch geprägte Haltung ein. Deswegen ist das stimmungshaft-emotionale Element in der Ballade stark ausgeprägt. Und oft tritt es in den Vordergrund und als erste, was dem Leser auffällt. Für die Ballade ist charakteristisch, dass im Mittelpunkt des Geschehenen die dramatische Auseinandersetzung steht. Die Handlung realisiert sich häufig in eindrucksvollen Dialogen (wie z.B. in „Apfelböck oder Die Lilie auf dem Felde“ von B.Brecht).
Auch epische Partien sind vorhanden: der Autor führt Personen, zeitliche und örtliche Umstände (Exposition) ein, unterbricht die Geschichte mit Kommentaren, Wertungen oder sogar Sprüchen aus der Bibel (wie z.B. in „Von der Kindesmörderin Marie Farrar“), greift zurück oder schaut als epischer Dichter voraus.
Die lyrische Wirkung wird durch die Balladenform hervorgerufen: klar gegliedert in Strophen, stark rhythmisiert, klanglich betont, emotional gefärbt. Die subjektive Vortragsweise, welche die objektiven Zusammenhänge der Wirklichkeit deutet, poetisch verallgemeinert, hebt die lyrische Seite der Ballade noch mehr hervor.
Hier ist die Analyse einer von Brechts Balladen „Apfelböck oder Die Lilie auf dem Felde“ aus der ersten Lektion der Hauspostille angegeben.
Das Thema wäre: Elternmord
Die Idee wäre: die asoziale Gesellschaft vergiftet Menschen, indem ein Mensch (sogar ein Kind) fähig werden kann, asozial zu sein, und einen Mord an seinen Eltern zu begehen.
Schon am Anfang der Ballade (seit den ersten Zeilen) beginnt die epische Partie. Wir können sehr deutlich eine epische Intonation spüren. Dazu dienen folgende Zeichen der Zeit:
- Die Wendung „In mildem Lichte“, die während der ganzen Ballade wiederholt ist, und das Adverbiale der Zeit bezeichnet. Auf solche Weise betrachten wir die Entwicklung der Handlungen in der Zeit. Alles, was nur passieren kann, geht fort. Die Ewigkeit des Lebens weiß keine Grenzen. In der Außenwelt herrscht die Ruhe und Unwandelkeit.
- In den nächsten Strophen erscheinen zahlreiche Verben im Präteritum erschlug, blieb, ging, saß, war, rochen ;
- Temporalkonjunktion „als“ … Und als die Leichen rochen aus dem Spind…
- Der 2-füssige Jambus tritt als ein Merkmal des Epischen auf (Im milden Lichte Jakob Apfelböck) -ï-ï-ï-ï
Auf den ersten Blick scheint dieses Gedicht einfach und kindlich zu sein. Als gute Beweise der einfachen Form und Verständlichkeit treten auf:
- die umgangssprachliche Formen der Wörter hin, drin;
- Kreuzreime, in denen die ganze Ballade geschrieben ist;
- Sogar dieser seltsame Name Apfelböck, der fast in jeder Strophe wiederholt wird.
Der gleichgültige Zustand der Natur wird dem inneren Zustand von Apfelböck gegenübergestellt.
Es schwammen Wolken unterm Himmel hin
Und um sein Haus ging mild der Sommerwind
Die Tage gingen und die Nacht ging auch.
Und nichts war anders außer mancherlei…
Vor unseren Augen erscheint ein ganz ruhiges Bild. Alles in der Welt scheint in Ordnung zu sein. Aber doch etwas ist geschehen. Ein Junge, sogar ein Kind hat seine eigenen Eltern erschlagen und dann in den Wäscheschrank versteckt. Er ist ganz allein: hilflos und verloren. Aber seine Tat brachte ihm keine Erlösung, sondern innere Unruhe und Qual.
Da weinte Jakob und ward krank davon…
Das richtige Drama eines kleinen Jungen hat schon begonnen. Er hat seine Eltern gemordet und das war der Ausdruck seiner kranken Seele. Die dramatische Partie findet ihren Ausdruck:
- Im Konflikt zwischen Jakob Apfelböck und der Gesellschaft;
- Formal in der Rede der Protagonisten, in unserem Fall sind es die Fragen des Zeitungsmannes
Es sprach der Zeitungsmann, der täglich kam:
Was riecht hier so? Ich rieche doch Gestank.
und der Milchfrau.
Es sprach die Milchfrau, die täglich kam:
Was riecht hier so? Es riecht, als wenn man stirbt!
Wie es bekannt ist, war die Vereinigung des gehobenen und umgangssprachlichen Stils für die alte Volksdichtung charakteristisch. Durch den Gebrauch der veralteten gehobenen Form des Verbes ward und Adverbs einstens wird die Wichtigkeit dieses Geschehens für Jakob ausgedrückt.
Das lyrische Subjekt betont das Mitgefühl in Bezug auf dieses „arme Kind“. Bemerkenswert ist die Rolle des einzigen Epithetons. Dabei wird berücksichtigt, dass dieses Epitheton arm gleichzeitig sowohl Apfelböck selbst als auch seine Eltern charakterisiert. Deswegen erfüllt es nicht nur eine große stilistische Rolle, sondern auch weist darauf hin, dass Apfelböck ein Opfer des gesellschaftlichen Einflusses ist. Er ist nicht schuldig an dem Mord seiner Eltern. Aber seine Eltern sind auch unschuldig.
Schon im Titel offenbart sich die ganze Wahrheit. Die „Lilie auf dem Felde“ ist eines der zentralen Motive der alten Volksdichtung. Sie (Lilie) ist ursprünglich das Symbol der Unschuld. Bereits im Titel der Ballade tritt das Spannungsverhältnis (Apfelböck – Lilie) von dem die Ballade getragen wird, zutage. Das Kind ist rein und naiv von dem Moment seiner Geburt. Das Feld, eine Metapher, das um ihn herum, erregt ihn zu diesen schrecklichen Taten. Diese verkehrte Welt, in der er lebt, provoziert ihn, seine Eltern zu töten. Und er hat das gemacht. Jetzt spürt er etwas Leeres in sich, als ob er etwas für sich sehr Bedeutsames verloren hat. Darum versteht er nicht, was er weiter machen soll. Aber das Leben, unbeugsam und gewaltig, geht fort. Die Milchfrau bringt wie gewöhnlich- jeden Morgen- die Milch ins Haus;
Gerahmte Buttermilch, süß, fett und kühl
der Zeitungsmann bringt die Zeitungen.
Mit schweren Tritt ins Haus beim Abendlicht…
Aber die Milch bleibt nicht getrunken und die Zeitungen bleiben nicht gelesen.
Bemerkenswert sind hier parallele Handlungen – syntaktische Parallelismen, die das Lyrische wiederspiegeln: zuerst bei der Beschreibung der gleichgültigen Natur (Es schwammen Wolken…/Die Tage gingen…), dann bei dem Antritt der Milchfrau und noch später des Zeitungsmannes (Es bringt die Milchfrau…/Es bringt der Zeitungsmann…/Es sprach der Zeitungsmann…/Es sprach die Milchfrau…), bei der Handlungen Jakob selbst (Erschlug…/Und schloß…ein/Und blieb…). Und diese Spiegelparallelismen trägen einen bestimmten Sinn. Mit ihrer Hilfe wird eine gewisse Dynamik, ein Rhythmus geschaffen. Aber wir wissen Bescheid davon, dass der Rhythmus das Element der Lyrik ist. Auf solche Weise erscheint eine besondere lyrische Stimmung, Stimmung des Mitgefühls.
Überhaupt hatte B.Brecht anaphorische Wendungen und Parallelismen gern, die auf die Tradition der Volksballade weisen. Dadurch wird die lyrische Gestalt bestimmt. Und diese allgemeine Metapher – die Lilie – Symbol der Unschuld – offenbart sich eben in der mitfühlenden Stimme des lyrischen Subjekts.
Im zweiten Teil der Ballade ist die direkte Rede von Apfelböck eingeschlossen. Auf die Frage, warum er so getan hat: … Sprach Jakob Apfelböck: Ich weiß nicht…
Natürlich ist er asozial, indem er einen Mord begangen hat, aber in einer asozialen Welt. Das lyrische Subjekt bemitleidet ihn. Er wurde in einer verkehrten Welt erzogen. In dieser Ballade betont Brecht, dass man realistisch denken muss, nicht die Welt durch die rosa Brille sehen.
Die Losung in seinem epischen Theater bestätigt diese Worte – „glotzt nicht so romantisch“. Sie hat er an die Zuschauer des 20. Jahrhunderts gewandt. Er klopfte an die Vernunft der Menschen.
Fast alle seine Geschichten hat er aus den Zeitungsartikeln genommen. Diese realen Ereignisse sind so aktuell, sie erregen uns immer. Der Konflikt der Eltern und Kinder steht auf der Tagesordnung. Er ist aus dem realen Leben gegriffen. Bei B.Brecht findet er seinen Ausdruck durch seine eigene Interpretation. Apfelböck ist unschuldig, darum rechtfertigt ihn das lyrische Subjekt. Wir können es entweder annehmen oder nicht, aber die Frage, die die Eltern nie von ihren Kindern erwarten wollten, die letzte rhetorische Frage bleibt ohne Antwort und steigert die Spannung
ob Jakob Apfelböck wohl einmal noch
Zum Grabe seiner armen Eltern geht?
Zum Schluss kann man sagen, dass die Hauptidee ihren Ausdruck durch die Mittel der Bildlichkeit: Metapher, bildliche Epitheta, Gegenüberstellung, Symbol und der Bildhaftigkeit: syntaktische Parallelismen, anaphorische Wiederholungen, rhetorische Frage findet.
Список литературы
1. Borneman, Ernest: Ein Epitaph für Bertolt Brecht, in: Sinn und Form, Beitrage zur Literatur, Zweites Sonderheft Bertolt Brecht, Berlin.
2. Brecht, Berrtolt (1927): Die Hauspostille, Berlin.
3. Brecht, Bertolt (1997): Gedichte I. Sammlungen, Band 3, Frankfurt-am-Main.
4. Fomin W.; Kulpina L.; Saweljewa G.; Schtscherbina S., (1997): Die linquostilistische Textinterpretation des Wortkunstwerkes, Chabarovsk.
5. Gysi, Klaus (1958): in: Sturm und Drang, Berlin, S. 307-308.
6. Kayser, Wolfgang (1936): Geschichte der deutschen Ballade, Berlin, S.48.
7. Rockenbach, Martin (1929): Von der Ballade der Gegenwart, in Oplid (Augsburg), 9./10.1. 1929, S.49.
8. Stein, Ernst: Bürgers Balladendichtung (Bisher unveröffentlicht).
9. Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, Stuttgart: Kroner, 1989.
